Sensibler Hund oder doch hochsensibel? (inkl. Test) – Teil 1/2

Die Hochsensibilität ist keine Krankheit und auch keine psychische Störung, sondern eine Persönlichkeitseigenschaft, die 15-20% unserer Hunde in sich tragen. Wie mit allen Eigenschaften (wie Pessimismus und Optimismus) gibt es Vor- und auch Nachteile, die du als Hundehalter:in von einem hochsensiblen Hund sicherlich gut kennst. Doch was genau ist Hochsensibilität und wann ist ein Hund „nur sensibel“?

Hochsensibilität als Persönlichkeitseigenschaft

Die Hochsensibilität zählt zu dem Big Five Model, welches in der Persönlichkeitspsychologie die fünf Kernelemente eines Charakters beschreibt: Offenheit, Gewissenhaftigkeit, Extraversion, Verträglichkeit und Neurotizismus.

15-20% aller Hunde sind hochsensibel, welche allein durch die natürliche Selektion konstant bestehen bleibt. Diese Eigenschaft bietet einen evolutionären Vorteil, denn wenn 1 hochsensibler Hund im Rudel die Gefahr wahrnimmt, welche den anderen Hunden verborgen bleibt, so kann das ganze Rudel überleben. Sind alle Hunde mit diesen feinen Antennen bestückt, so wird mit hoher Wahrscheinlichkeit zu oft vor Gefahr gewarnt und der Stress nimmt zu. Ist kein Hund im Rudel hochsensibel, so sinken die Überlebenschancen des Rudels. Auch eine genetische Disposition scheint vorhanden zu sein, z.B. bei Ridgebacks, Windhunden und Dobermännern. Diese Hunde sind sehr zart, sensibel und können psychisch schnell „brechen“.

Allgemeine Eigenschaften eines hochsensiblen Hundes

  • Sehr aufmerksam gegenüber visuellen Reizen, Gerüchen und Geräuschen
  • Die Hunde wirken gegenüber dem Halter unaufmerksam
  • Schnell unkonzentriert und unruhig
  • Sie sind meist überdreht und hyperaktiv
  • Reagieren stark auf Emotionen
  • Reagieren stark auf Berührungen
  • Werden erst schnell müde, dann überdreht oder hyperaktiv
  • Tendenz zur Unsicherheit und/oder Ängstlichkeit
  • Sensibel für Inkongruenz, d.h. stimmen das Handeln und Denken des Halters nicht überein, wird dies wahrgenommen. Sie achten auf subtile Signale und lesen somit zwischen den Zeilen
  • Können sich schwer abgrenzen
  • Sehr gute Menschenkenntnisse
  • Sie sind mit zu viel Freiraum überfordert (fühlen sich an der Schleppleine wohler als im Freilauf)
  • Sie spiegeln ihre:n Halter:in, d.h. reagieren gleich
  • Sensibler Magen-Darm
  • Tendenz zu Unverträglichkeiten und Allergien
  • Sind stressanfälliger und daher infektanfällig
  • Reagieren stark auf Medikamente, ätherische Öle, etc.
  • Sehr schmerzempfindlich und/oder wetterfühlig (Wind, Regen, etc.)

Test – Ist mein Hund hochsensibel?

Anhand der 32 Fragen kannst du nun testen, ob dein Hund hochsensibel ist. Kreuze jeden Satz an, der auf deinen Hund zutrifft. Hast du 20 oder mehr Kreuze gesetzt, so ist es sehr wahrscheinlich, dass dein Hund hochsensibel ist. Ein 100%iges Ergebnis ist jedoch nicht möglich, denn dafür müsste man in das Gehirn deines Hundes schauen. Und eigentlich ist es auch irrelevant, denn es geht lediglich darum, Verständnis für deinen Hund und seine Fähigkeiten zu erlangen, denn er nimmt die Welt anders wahr.

Fragebogen übersetzt nach Braem et al. 2017

Du hast 20 oder mehr Fragen angekreuzt? Dann ist dein Hund hochsensibel und du darfst dich auf die folgenden Infos freuen. Ich erkläre dir, wie das Gehirn deines Hundes funktioniert UND in welchen Bereichen dein Hund hochsensibel ist (letzteres folgt im nächsten Beitrag).

Das Gehirn eines hochsensiblen Hundes arbeitet anders

Der Thalamus ist dem Großhirn vorgeschaltet und agiert als Filtermechanismus. Er bestimmt, welche Informationen wichtig und welche unwichtig sind. Während nicht hochsensible Hunde den Regen, das nasse Gras, das vorbeirauschende Auto und das prasselnde Geräusch des Regens auf dem Flachdach wahrnehmen und im Gehirn als unwichtig deklariert, nehmen hochsensible Hunde diese Sinnesreize als wichtig war.

Die Reize werden genau analysiert und wahrgenommen. Dadurch ist der Arbeitsspeicher im Gehirn schneller voll und die Wahrnehmung und Verarbeitung dieser Infos dauert deutlich länger. Es entsteht somit eine Überforderung und der Körper des Hundes startet schneller eine Stressreaktion, welche sich auch im Verhalten widerspiegelt. Sicherlich ist dir im Alltag aufgefallen, dass dein Hund oft gestresst ist und gar nicht weiß, wo hinten und vorne ist. Daran merkst du, dass dein Hund mit den ganzen „wichtigen“ Informationen überfordert ist.

Des Weiteren gewöhnen sich hochsensible Hunde nicht an bestimmte Reize, wie es nicht hochsensible Hunde tun würden, da der Thalamus denselben Reiz immer und immer wieder als wichtig einstuft. Darum ist die Trainingstechnik „Gewöhnung“ (Desensibilisierung) für hochsensible Hunde oft der falsche Ansatz und sollte unbedingt vermieden werden! Auch bei hochsensiblen Menschen (es sind ebenfalls 15-20% unserer Bevölkerung) tritt diese Gewöhnung nicht ein. Ein Grund, warum das Wohnen neben einer Kirche oder einer lauten Straße nicht möglich ist.

Genetische oder erlernte Hochsensibilität?

Bei einer genetisch veranlagten Hochsensibilität ist der Filtermechanismus von Beginn an anders, d.h. bereits im Mutterleib wird das Gehirn anders strukturiert als bei nicht hochsensiblen Hunden. Eine erlernte Hochsensibilität (Persönlichkeitseigenschaft) gibt es nicht, denn die Gehirnstrukturen können nicht verändert werden.Ein Hund kann jedoch durch eine Lernerfahrung auf bestimmte Reizeschneller sensibel reagieren als zuvor. Diese erlernte Sensibilisierung (Sensitivierung) wird z.B. durch ein Trauma oder eine starke emotionale Erfahrung ausgelöst, hat jedoch nichts mit der Persönlichkeitseigenschaft Hochsensibilität zu tun.

Ganz schön spannend, oder? Ich bin sehr froh, viel über die Hochsensibilität zu wissen, denn in meinem Arbeitsalltag kommt es immer mal wieder vor, dass ein „besonders sensibler“ Hund seine Halter:innen auf Trab hält. Wenn das „Geheimnis“, was mit dem Hund los ist, erstmal gelüftet wurde, ist es viel einfacher wieder zueinander zu finden und den Alltag gemeinsam zu leben.

Im nächsten Teil gehen wir auf die unterschiedlichen Arten der Hochsensibilität ein. Ich kann dir jedoch schon mal verraten: Dein Hund kann in den Bereichen Sensorik, Emotionalität und Wahrnehmung hochsensibel sein. Eine Besonderheit stellt zudem der high sensation seeker dar, der das komplette Gegenteil ist und den hochsensiblen Hund oft aus der Bahn wirft.

Du hast Fragen? Schreib mir gerne einen Kommentar, ich freue mich, von dir zu lesen!

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