Welpenkurs: Darauf solltest du bei einer guten Welpenschule achten

Ein guter Welpenkurs sollte nicht möglichst viele Übungen in möglichst kurzer Zeit vermitteln. Entscheidend ist vielmehr, dass dein Welpe sich sicher fühlt, angemessen mit anderen Hunden und Menschen in Kontakt kommt und du als Halter lernst, die Körpersprache und Bedürfnisse deines Welpen richtig einzuschätzen. Achte deshalb besonders auf die Gruppengröße, die Qualifikation und den Umgang des Trainers, die verwendeten Trainingsmethoden sowie darauf, ob die einzelnen Welpen individuell berücksichtigt werden.

Worauf solltest du bei einem Welpenkurs achten?

1. Die Gruppengröße

Kleine Gruppen helfen deinem Hund sich schneller orientieren zu können, hält den Erregungslevel niedrig und vermeidet eine Überforderung. Unser System „Hundeschule“ ist für unsere Hunde sehr unnatürlich, denn ohne Zäune begegnen sich fremde Hunde nicht auf engstem Raum (dazu unten mehr). Das fördert das Konfliktpotential, da alles viel näher und somit schneller stattfindet. Um das zu vermeiden, sollte die Gruppenanzahl auf maximal 6 Hunde begrenzt sein.

2. Der Umgang des Trainers mit den Welpen

Hunde haben ein Recht auf Sozialkontakt und sollten diese Erfahrungen auch machen dürfen. Vor allem unsere Welpen schulen dadurch ihre sozialen Fähigkeiten und Kompetenzen, die sie für ihr weiteres Leben benötigen. Es liegt jedoch in der Verantwortung von uns Haltern bzw. des Trainers, wie dieser Kontakt stattfindet. Es geht nicht um möglichst viele Kontakte, die sehr oft eh purer Stress sind, sondern um sozial gute Kontakte von denen auch Gutes gelernt werden kann. Es macht demnach Sinn, nicht die ganze Gruppe „loszulassen“, sondern nur ausgewählte Hunde, die auch zueinander passen.

3. Hohe Erregung im Welpenkurs vermeiden: Ruhe bei Hundebegegnungen lernen

Unsere Hunde verknüpfen in wilden Spielstunden, dass Kontakt zu fremden Hunden mit hoher Erregung erwünscht ist. Wir fördern diesen Gedanken, weil wir es zulassen (wer schweigt, stimmt zu). Dieses Phänomen ist leider sehr oft in einigen Welpenkursen gegeben. Dann wird der Welpe groß und die Spielstunden immer weniger. Er versteht nun nicht mehr, warum er nun an lockerer Leine laufen muss, statt mit dem Artgenossen auf der anderen Straßenseite in Kontakt zu treten. Im schlimmsten Fall züchten wir uns dadurch eine Leinenaggression heran, die spätestens mit 1 Jahr zum Tragen kommt.

Wilde Spielstunden beeinflussen zudem den Alltag. Weniger intensive, jedoch ebenso belastende Verhaltensweisen sind Unruhe und Nervosität, die nichts mit Hundebegegnungen zu tun haben müssen, sondern eher eine Grundstimmung im Alltag beschreibt. Immer, wenn der Körper in eine Erregung gerät, werden viele Stresshormone wie Adrenalin, Noradrenalin und Cortisol ausgeschüttet. Sie hemmen die Produktion der Wohlfühlhormone, die wiederum die Entspannung und den Schlafrhythmus beeinflussen. Sind zu viele Stresshormone im Körper, fällt der switch in die Entspannung immer schwerer, bis der Hund nicht mehr zur Ruhe kommen kann. Der Körper gerät dadurch in ein Ungleichgewicht und findet nicht mehr zum Normalzustand zurück.

Sollte doch mal die Erregung steigen, sollte diese im besten Fall durch dich als  Bezugspersonen, ggf. durch den Hundetrainer/Hundetrainerin unterbrochen werden. Warum? Hast du schon mal zwei Hunde beobachtet, die miteinander wild spielen? Plötzlich kommt ein dritter hinzu und versucht die beiden Hunde zu trennen. Warum macht der dritte Hund das? Hunde leben in einer Rangordnung, genauso wie wir Menschen. Das schafft Sicherheit für das Gefühl und für das Überleben. Der dritte Hund übernimmt in diesem Beispiel die Führung und möchte diese hohe Erregung sowie die damit verbundene Energieverschwendung stoppen. Denn im schlimmsten Fall findet eine Stimmungsübertragung auf alle anderen Hunde (und auch Menschen) statt, die sich dadurch angreifbar machen, sei es durch Feinde oder durch den Energieverlust. Fazit: Sie könnten sterben. Nur, wer erkennt diese Gefahr? Der, der alles im Blick hat und für Sicherheit sorgt: der Ranghöhere oder der, der meint es zu sein.

Wenn du die Erregung deines Hundes unterbrichst, tust du genau das, was im Beispiel der dritte Hund tut. Dadurch beeinflusst du nicht nur die Stimmung deines Hundes (in der Ruhe bleiben, statt durchzudrehen), sondern zugleich suggerierst du deinem Hund, dass du für alle die Verantwortung trägst und für Sicherheit sorgst. Du übernimmst die Führung, die deinem Hund auch an anderen Stellen Sicherheit gibt.

4. Die Körpersprache der Welpen berücksichtigen und "lesen lernen"

Eine gute Welpenschule erklärt in den Sozialstunden das Ausdrucksverhalten sowie die damit verbundenen Emotionen und Motivationen. So lernst du als Halter deinen Hund immer besser zu lesen und kannst im Alltag, z.B. auf der Hundefreifläche ein Spiel von einer Mobbingattacke unterscheiden und deinem Hund helfen. Durch dein Einschreiten lernt dein Hund dir zu vertrauen, denn du erkennst, wann er Hilfe braucht. Sollte dein Hund „Dinge gerne allein regeln“ schreitest du trotzdem ein, denn das ist nicht seine Aufgabe. Vielleicht kennst du auch den Spruch „Die machen das unter sich aus“: Solange die Hunde sich nicht in einem gemeinschaftlichen Sozialgefüge befinden, d.h. zusammenwohnen, regeln die Hunde auch nichts allein untereinander. Ja, in der Natur mit 30 Meter Abstand, würden die Hunde entschleunigt miteinander kommunizieren und es „alleine regeln“. Die 30 Meter sind in unserer Menschenwelt durch Straßen, Autos, Zäune und Häuser nicht gegeben. Eine sehr unnatürliche Situation, die Anleitung von uns verantwortungsvollen Haltern braucht.

5. Sozialisation durch erwachsene, souveräne Hunde

Läuft einer oder mehrere souveräne erwachsende Hunde in der Welpengruppe mit, ist das perfekt, denn diese Hunde wissen sich in einer sozialen Gemeinschaft zu bewegen. Das dürfen unsere Welpen noch lernen und das geht am besten von denen, die es bereits können.

6. Eine gemeinsame Sprache sprechen: Körpersprache und Vertrauen

Wenn du möchtest, dass zwischen dir und deinem Hund tiefes Vertrauen entsteht, dann sollte dir die Hundeschule die körpersprachliche Kommunikation nahebringen. Auftrainierte Signale wie Sitz, Platz, Fuß erleichtern euren Alltag und bringen euch näher. Der Deep Talk und das damit verbundene Vertrauen und die Sicherheit bleiben jedoch aus. Dabei beugt genau die nonverbale Kommunikation Problemverhalten im Alltag vor. Beziehung steht immer vor Erziehung!

Häufige Fragen zum Welpenkurs

Muss jeder Welpe einen Welpenkurs besuchen?

Ein Welpe muss nicht grundsätzlich einen Welpenkurs besuchen. Entscheidend ist vielmehr, welche Erfahrungen der Welpe dort macht und was er dabei lernt. Ein Welpenkurs kann sinnvoll sein, wenn er dem Welpen passende soziale Erfahrungen ermöglicht, die Kommunikation zwischen Mensch und Hund vermittelt und ruhigen Hundekontakt erlaubt. Auch die individuelle Situation des Welpen sollte dabei berücksichtigt werden. Ausgewählte Kontakte aus dem Bekannten- und Freundeskreis tuen es jedoch auch. 

Woran erkenne ich einen guten Welpenkurs?

Ein guter Welpenkurs sollte nicht nur aus wilden Spielstunden zwischen den Welpen bestehen. Wichtig ist, dass die Welpen lernen, sich in einer sozialen Gemeinschaft zu bewegen, und dabei auch von souveränen erwachsenen Hunden lernen können. Ebenso wichtig ist, dass dir die Hundeschule die körpersprachliche Kommunikation zwischen Mensch und Hund vermittelt und auf die individuelle Situation der einzelnen Welpen eingeht. Ein guter Welpenkurs sollte außerdem darauf achten, dass die Erregung der Welpen nicht hochgehalten wird oder hochfährt, sondern auch Ruhe und Entspannung gelernt werden.

Worauf sollte ich bei der Auswahl einer Welpenschule achten?

Bei der Auswahl einer Welpenschule solltest du darauf achten, wie mit den Welpen umgegangen wird und welche Inhalte vermittelt werden. Besonders wichtig sind die Sozialisation mit souveränen erwachsenen Hunden, die Vermittlung von körpersprachlicher Kommunikation und ein angemessener Umgang mit Erregung und Ruhe. Auftrainierte Signale wie Sitz, Platz oder Fuß können den Alltag erleichtern. Für eine vertrauensvolle Beziehung zwischen dir und deinem Hund ist jedoch auch die nonverbale Kommunikation entscheidend. Beziehung steht immer vor Erziehung. Zudem sollte der Hundetrainer eine mögliche Überforderung seitens deines Hundes erkennen und dich unterstützen, aktiv einzugreifen und deinen Hund souverän zu beschützen. 

Wie groß sollte eine Welpengruppe sein?

Eine Welpengruppe sollte so gestaltet sein, dass die einzelnen Welpen und ihr Verhalten noch gut beobachtet und begleitet werden können. Entscheidend ist nicht allein die Anzahl der Hunde, sondern ob der Hundetrainer oder die Hundetrainerin die Gruppe im Blick behalten und bei steigender Erregung oder Überforderung angemessen eingreifen kann. Um eine mögliche Überforderung deines Hundes zu vermeiden, ist eine Gruppengröße von max. 4-6 Hunden ideal.

Ist freies und wildes Spielen im Welpenkurs sinnvoll?

Spielstunden sind nicht sinnvoll, nur weil Welpen miteinander spielen und Spaß haben sollen. Unsere Hunde können dadurch verknüpfen, dass der generelle Kontakt zu fremden Hunden erlaubt ist, was wir oft nicht wünschen. Zudem wird die damit verbundene hohe Erregung (Adrenalin & Dopaminausschüttung) abgespeichert und als Maßstab für weitere Hundekontakte genutzt. Deshalb sollte ein Welpenkurs nicht auf möglichst viel Spiel setzen, sondern darauf, dass die Welpen lernen, in der Erregung wieder zur Ruhe zu kommen.

Warum ist es wichtig, dass Welpen auch mit erwachsenen, souveränen Hunden Kontakt haben?

Souveräne erwachsene Hunde wissen bereits, wie sie sich in einer sozialen Gemeinschaft bewegen. Dieses Verhalten dürfen unsere Welpen noch lernen. Deshalb kann es für Welpen sehr wertvoll sein, wenn ein oder mehrere souveräne erwachsene Hunde in der Welpengruppe dabei sind. Die Welpen können dabei von Hunden lernen, die bereits wissen, wie soziale Kommunikation funktioniert.

Wie wichtig ist Körpersprache im Welpenkurs?

Die körpersprachliche Kommunikation ist sehr wichtig, wenn zwischen dir und deinem Hund tiefes Vertrauen entstehen soll. Auftrainierte Signale wie Sitz, Platz oder Fuß können euren Alltag erleichtern und euch näherbringen. Die nonverbale Kommunikation schafft jedoch eine andere Form von Verständigung und kann dabei helfen, Problemverhalten im Alltag vorzubeugen. Deshalb sollte eine gute Hundeschule nicht nur Signale vermitteln, sondern dir auch die Körpersprache und Kommunikation deines Hundes näherbringen. Beziehung steht immer vor Erziehung. Des weiteren kannst du so die Bedürfnisse und Emotionen deines Hundes lesen und adäquater in Alltagssituationen reagieren. 

Ihr braucht mehr als einen Welpenkurs? Die eigentlichen Herausforderungen zeigen sich oft nicht in der Hundeschule, sondern bei euch zu Hause und im Alltag. Genau dort setze ich an und unterstütze dich und deinen Hund dabei, eure Themen nachhaltig zu lösen und wieder ein entspanntes Zusammenleben zu genießen. Du möchtest etwas verändern? Sende mir jetzt deine Anfrage oder starte mit der Basis für tiefes Vertrauen & Sicherheit.

Aktualisierung: September 2026

Madeleine Peters

Madeleine Peters

Ich bin Madeleine Peters, studierte Hundepsychologin aus Seevetal und begleite Mensch-Hund-Teams seit über 12 Jahren auf ihrem Weg zu einem besseren Verständnis, einer stärkeren Beziehung und mehr Leichtigkeit im Alltag.

Ich helfe dir dabei, deinen Hund und sein Verhalten zu verstehen, die Ursachen hinter seinen Herausforderungen zu erkennen und eure Mensch-Hund-Beziehung nachhaltig zu stärken. Dabei betrachte ich die Psyche, das Verhalten, den Körper und euren gemeinsamen Alltag als Ganzes.

Mein Ziel: weniger Angst, Stress und Konflikte und mehr Entspannung, Leichtigkeit und Freude im Zusammenleben mit deinem Hund.

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