Dein Hund jagt Vögeln, Hasen und Katzen hinterher? Sobald er im Jagdmodus ist, ist dein Hund in seinem Tunnel und bekommt kaum noch etwas von der Außenwelt mit. Deine Rufe und auch Gefahren, wie die befahrene Landstraße, werden völlig ignoriert. Das kann sehr schnell gefährlich werden. Mit dem Anti Jagdtraining kannst du deinen Hund und natürlich auch die jagdbaren Tiere vor solchen Situationen schützen.
Hunde Jagdtrieb: Ursachen
Für uns Halter:innen sieht das Jagdverhalten oft unkontrolliert aus, denn „plötzlich“ schießt er los. Für deinen Hund ist es jedoch niemals unkontrolliert, denn er weiß genau, wann er was tut. Der Begriff „unkontrolliert“ wird in unserer Gesellschaft für Hunde genutzt, die ohne Signal ihres Halters jagen und dann auch nicht mehr ansprechbar sind, d.h. Signale/Kommandos ignorieren. Das Jagdverhalten ist tief in den Genen unserer Hunde verwurzelt und sichert das Überleben. Aus meiner Sicht ist es daher mehr als unfair den Hund für sein Jagdverhalten zu strafen, denn er folgt nur seinem Instinkt. Meine Nala ist eine Kleine Münsterländerin und war damals jagdlich sehr ambitioniert. Mit dem Anti Jagdtraining konnte ich ihr das „unkontrollierte“ Jagdverhalten abgewöhnen und sorgte somit für Sicherheit auf unseren Spaziergängen. Doch nicht nur der Instinkt sorgt dafür, dass dein Hund nicht mehr ansprechbar ist und jagd, sondern weitere 8 mögliche Ursachen sorgen dafür, dass dein Hund in den Jagdmodus gerät:
- Geringer Stellenwert
Musst du in weniger reizvollen Situationen deinen Hund mehrfach rufen, bevor er kommt oder immer wieder mit ihm diskutieren? Dein Hund nimmt dich nicht ernst und wird es erst recht nicht tun, wenn die Situation reizvoll wird. Des Weiteren genießen die meisten Hunde im Alltag sehr viele Freiräume, ohne dass er dafür etwas tun muss. Die Regel sollte jedoch sein: Umso akzeptabler das allgemeine Verhalten, umso mehr Freiräume bekommt der Hund. So ist es möglich Hund mit Jagdtrieb frei laufen zu lassen (so wie meine Nala), denn die Ansprechbarkeit bleibt somit auch in reizvollen Situationen bestehen. - Mangelnde Impulskontrolle
Wenn dein Hund sich zurücknehmen, sich bremsen und geduldig abwarten kann, bis sein Bedürfnis gestillt wird, so hat dein Hund eine gute Impulskontrolle. Die Impulskontrolle setzt voraus, dass der Belohnungsaufschub ertragen wird. In den Übungen im Anti Jagdtraining wird diese Fähigkeit gestärkt, denn es ist der Schlüssel, damit dein Hund das Jagen unterlässt bzw. abrufbar bleibt. Für das Anti Jagdtraining gibt es jedoch nochmal spezifische Übungen, die direkt und indirekt am Auslöser oder einem Stellvertreter geübt werden. - Selbstbelohnendes Verhalten / Lust
Was viele nicht wissen: Bereits der aktive Suchlauf (das jagdbare Objekt suchen und aufspüren), der erste Teil der Verhaltenskette, ist für deinen Hund selbstbelohnend, denn dieser löst eine Dopaminflut im Gehirn aus. Dopamin ist ein Neurotransmitter, der im Gehirn für euphorische Zustände sorgt und maßgeblich am Suchtverhalten beteiligt ist. Umso fortgeschrittener dein Hund in der Jagdverhaltenskette ist und umso öfter er jagen konnte, umso mehr Dopamin wird ausgeschüttet und umso selbstbelohnender ist das Jagdverhalten. - Mangelnde Auslastung
Hunde, die jagdlich ambitioniert sind, brauchen eine qualitativ hochwertige Auslastung. Vor allem Jagd- und Hütehunde fallen bei Stress (Unterforderung erzeugt ebenfalls Stress) gerne in das Jagdverhalten, um so den Druck zu kompensieren. - Übersprungshandlung
Eine Übersprungshandlung wird von unseren Hunden gezeigt, wenn sie gestresst sind, ein innerer Konflikt besteht (will rennen aber auch auf Frauchen/Herrchen hören) oder sie in ihrem Vorhaben gehindert werden (will rennen, ist jedoch an der Leine). Mit der Übersprungshandlung wollen unsere Hunde den Konflikt beenden und den entstandenen Stress kompensieren. - Stimmungsübertragung
Auch die Stimmungsübertragung kann deinen Hund zur Jagd verleiten. Bist du mit mehreren Hunden unterwegs und ein Hund beginnt die Jagd, kann es schnell passieren, dass der andere Nicht-Jäger sich verleiten lässt. - Zufälle
„Zur falschen Zeit am falschen Ort“ beschreibt den Zufall am Besten. Das trifft zu, wenn z.B. ein Reh oder ein Hase direkt vor euch die Straße überquert. Der schnelle Bewegungsreiz wirkt ansteckend und dein Nicht-Jäger ist plötzlich über alle Berge. - Erfahrung
Hat dein Hund an einem bestimmten Ort bereits die Jagderfahrung gemacht, so wird er an diesem Ort mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit wachsamer sein als an anderen Orten.
Das passiert während der Jagd im Gehirn
Das Gehirn ist (ganz grob) aufgeteilt in zwei Areale: Das Emotionszentrum und das Denkzentrum. Beide Areale arbeiten gegensätzlich, d.h. sie sind nicht gemeinsam aktiv. Ist das Emotionszentrum aktiv, so ruht das Denkzentrum. Ist das Denkzentrum aktiv, so ruht das Emotionszentrum.
Denkzentrum an – Emotionszentrum aus
Ist dein Hund aufnahmebereit und konzentriert, so ist das Denkzentrum aktiv, das Emotionszentrum ruht. Klares Denken und das Wahrnehmen von auftrainierten Signalen wie „Sitz“ oder „zu mir“ findet hier im Denkzentrum statt und können umgesetzt werden.
Emotionszentrum an – Denkzentrum aus
Ist dein Hund nun im Jagdmodus, dann ist das Emotionszentrum aktiv, das Denkzentrum ruht. Das Emotionszentrum ist immer dann aktiv, wenn es um Instiktverhalten oder emotionales Verhalten geht. Dein Hund reagiert nicht mehr auf Signale wie „hier“, denn gesprochene Worte werden im Denkzentrum verarbeitet.
Hund mit Jagdtrieb: Verhaltensablauf (Verhaltenskette) verstehen
Die sogenannte Verhaltenskette beschreibt die einzelnen Verhaltensweisen, die dein Hund während der Jagd ausübt. Diese sind je nach Jagdtyp (dazu gleich mehr), Erfahrung, Genetik und jagdbarem Objekt, unterschiedlich ausgeprägt. Einige Hunde gehen nur kurz in den Suchlauf, andere verweilen darin länger. Einige Hunde töten und fressen ihre Beute, wiederum andere Hunde tun dies nicht. Das Jagdverhalten kann sich ebenso darin unterscheiden, welches Objekt bejagt wird. Die Jagd eines Kaninchens kann anders aussehen als die Jagd auf einen Vogel oder auf ein Reh. Doch was alle Jäger mitbringen, ist das Orientierungsverhalten. Bei dem einen ist dieses Verhalten 1 Sekunde ausgeprägt, bei den anderen nur 0,5 Sekunden. Das Orientierungsverhalten wird dann gezeigt, nachdem dein Hund etwas jagdbares entdeckt hat und bevor er sich in Bewegung setzt, um dorthin zu kommen.

Verhaltenskette bei der Jagd
1) Suchlauf: Dein Hund sucht aktiv nach etwas jagdbaren (riechen, gucken, hören, etc.)
2) Orientierung: Dein Hund hat etwas jagdbares entdeckt
2) Annähern: Dein Hund nähert sich dem jagdbaren Objekt
3) Hetzen: Dein Hund hetzt das jagdbare Objekt
4) Packen: Dein Hund packt es
5) Töten: Dein Hund tötet es
6) Fressen: Dein Hund frisst die Beute auf
Damit du deinen Hund besser einschätzen kannst, solltest du dir diese 3 Fragen stellen:
1) Wie jagt dein Hund die unterschiedlichen Objekte?
Ich zeige dir ein Beispiel anhand des Jagdverhaltens meiner Nala. Sie jagte Vögel anders als Hasen. Beim Vogel war sie viel langsamer und bedachter. Durch die längere Orientierungsphase hatte ich etwas mehr Zeit, sie aus dem Jagdmodus zu holen als beim Hasen. Die Orientierungsphase beim Hasen war minimal, sodass sie sofort das Hetzen begann. Wie würdest du die einzelnen Phasen bei deinem Hund einschätzen?

2) Welcher Jagdtyp ist dein Hund?
Jeder Jäger hat seine eigene Strategie entwickelt, wie er etwas jagdbares am besten aufspüren kann. Dabei spielen Erfahrungen, Genetik und das gejagte Objekt ebenfalls eine große Rolle. Es gibt drei Hundetypen zu unterschieden: Den Augenhund, den Nasenhund und den „Ohrenhund“. Meine Nala war bei Hasen der Nasenjäger und bei Tauben der Augenjäger.
- Der Augenhund
beginnt seine Jagd mit den Augen, d.h. bereits im Suchlauf schaut er umher, ob er etwas jagdbares entdecken kann. - Den Nasenhund
sucht aktiv mit der Nase entweder am Boden oder in der Luft nach etwas jagdbarem. - Der Ohrenhund
horcht, ob er etwas jagdbares entdecken kann. Nur wenige Hunde nutzen die Ohren als erstes Sinnesorgan. Die meisten setzen eher die Augen und die Nase ein. („Ohrenhund“ ist kein offizieller Begriff. Ich nenne ihn einfach so, der Vollständigkeithalber)
3) Wie intensiv jagt dein Hund?
Des Weiteren kannst du für dich einmal kategorisieren, ob dein Hund ein Profi-Jäger, ein Hochleistungsjäger oder ein Gelegenheitsjäger ist. So kannst du dir einen Überblick verschaffen, wie intensiv euer Anti Jagdtraining sein wird. Meine Nala war bei Hasen der Hochleistungsjäger, bei Tauben hingegen der Gelegenheitsjäger.
- Der Profi-Jäger
Dein Hund startet bei jeder Gelegenheit durch und jagt dann auch sehr ausdauernd und ausgeprägt, vielleicht sogar bis zum Töten der Beute. - Der Hochleistungsjäger
Dein Hund ist jagdlich stark interessiert und dann auch schnell weg, tut dies jedoch nur in bestimmten Gebieten oder Orten (z.B. im Wald oder am Wasser) oder bei bestimmten Objekten (z.B. nur bei Kaninchen und Reh, nicht bei Vögeln etc.) - Der Gelegenheitsjäger
Dein Hund reagiert auf bestimmte jagdbare Objekte, kommt jedoch nach einer kurzen Verfolgung wieder zurück zu dir.
Jagdtrieb bei Hunden abgewöhnen
Da das Jagdverhalten instinktiv abgespult wird, das Überleben sichert und sehr stark selbstbelohnend wirkt, werden wir niemals, egal wie viel Training wir investieren, dieses Verhalten aus unserem Hund heraus oder überschreiben können. Das ist nicht möglich. Wir können jedoch dafür sorgen, dass wir das Fenster des Orientierungsverhaltens so weit ausweiten, dass wir unseren Hund umlenken können. Ist dein Hund in der Verhaltenskette bereits über dem Orientierungsverhalten hinaus, so ist ein Umlenken nicht mehr möglich. Umlenken bedeutet: Dein Hund entscheidet sich gegen den Hasen und für dich und deine Ersatzbeute (später ist keine Ersatzbeute mehr nötig). Ziel ist es demnach das Suchverhalten komplett zu unterbinden und das Orientierungsverhalten von 0,01 Sekunden auf 2-4 Sekunden auszuweiten. Binnen dieser Sekunden hast du die Möglichkeit zu handeln und das schaffst du, indem du fleißig trainierst.

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