Leinenführigkeit trainieren ohne Futter – Seevetal

Leinenführigkeit bedeutet, dass dein Hund an lockerer Leine mit dir mitgeht, ohne dauerhaft zu ziehen. Du kannst Leinenführigkeit auch ohne Leckerli trainieren. Entscheidend sind aus meiner Sicht Orientierung, klare Grenzen, Körpersprache und ein für den Hund verständlicher Rahmen.

Dein Hund zieht und zerrt dich durch den ganzen Spaziergang, sodass du schon keine Lust mehr hast, rauszugehen? Du bist am Trainieren und Trainieren, doch dein Hund macht, was er will? Egal, wie sehr du dich bemühst, dein Hund zieht an der Leine und nichts hilft? Das darf sich nun ändern, denn so entsteht für euch beide großer Stress.

Auch meine Nala durfte nach jahrelangem, unnützem und nervigem Training, Zick-Zack-Laufen, Umdrehen, Stehenbleiben und vielem mehr, endlich lernen, wie sie entspannt an der Leine laufen kann. Und das ganz ohne Keks und ohne die üblichen Trainingsmethoden, sondern „nur“ über körpersprachliche Kommunikation.

Hund zieht an der Leine – was tun?

Wenn dein Hund ständig an der Leine zieht, solltest du nicht nur das Ziehen selbst betrachten. Entscheidend ist, warum dein Hund nach vorne möchte, wie hoch sein Stresslevel ist und ob er sich an dir orientiert. Bei der Leinenführigkeit geht es deshalb nicht nur darum, den Hund „bei Fuß“ zu halten, sondern um eine entspannte Orientierung am Menschen.

Wie trainiert man Leinenführigkeit ohne Futter?

Leinenführigkeit bedeutet, dass die Leine durchgehend entspannt ist und dein Hund sich an dir und deiner Laufrichtung orientiert, ohne dass du ihm sagst, wohin du gehst. Dabei ist es irrelevant, ob dein Hund 3 Meter vor dir oder direkt neben dir läuft. Er muss dich auch nicht direkt anschauen. Die reine Orientierung zu dir als Halter:in ist hier das Ziel. Hat dein Hund dies verstanden, läuft er auch ohne dein verbales Signal „Fuß“ neben dir. Die Leinenführigkeit / Orientierung sollte demnach nicht über Signale und ggf. noch mit einem Leckerli aufgebaut werden. Das hat sogar mehrere Nachteile:

Leinenführigkeit bedeutet Orientierung und Orientierung hat etwas mit der Beziehung zwischen dir und deinem Hund zu tun. Auch wir Menschen orientieren uns an jede, die eine selbstbewusste Ausstrahlung und sich als „würdig“ erwiesen haben. So baust du eine gute Orientierung zu dir auf und kannst die Leinenführigkeit üben:

Orientierung beginnt im häuslichen Bereich

Jedes Problem draußen beginnt drinnen. Im häuslichen Bereich wird der Grundstein der Orientierung gelegt und ist somit die unerlässliche Basis. Setzt du hier, dann wenn der Stresspegel niedrig ist und es um nichts geht, schon Grenzen und forderst die Akzeptanz deines Hundes ein, so schaffst du dir Anerkennung. Dein Hund glaubt dir, dass du Verantwortung übernehmen und diese fair durchsetzen kannst. Zugleich wird zwischen euch klar, wer Entscheidungen treffen darf und wer nicht. Bei deinem Hund findet somit ein Umdenken statt und die Orientierung verschiebt sich automatisch auf dich. Finde jetzt kostenfrei heraus, wie gut dein Hund sich im häuslichen Bereich an dir orientiert:

Kommunikation statt Keks

Die oben beschriebene Grenzsetzung ist eine Art der Beziehungsarbeit, welche euch nochmal auf eine tiefere Ebene ganz nah zusammenbringt. Das geht ausschließlich über die Kommunikation, die Hundesprache. Wenn ihr die gleiche Sprache sprecht, hat dies, auf die Leinenführigkeit bezogen, mehrere Vorteile:

Und das alles ohne Keks und ohne Signal. Stell dir vor: Du gehst mit mehreren Freunden in einer Gruppe spazieren. Einer wird langsamer und bleibt dann stehen. Was tun die anderen? Sie bleiben ebenfalls stehen. Auch hier kündigt keiner das Stehenbleiben an und keiner wird gelobt oder belohnt, weil er ebenfalls stehengeblieben ist. Wir sollten unsere Hunde nicht unterfordern und ihn als das sehen, was er ist: Ein hochentwickeltes Sozialwesen was so gesehen und auch behandelt werden möchte.

Es ist schön, wenn meine Nala mir folgt, ohne dass ich ihr sagen muss, wohin es geht und ohne, dass ich ihr sagen muss, dass sie langsamer oder schneller gehen soll. Sie folgt mir, weil ich Grenzen setzen, halten und freigeben kann. Sie folgt mir, weil ich Entscheidungen treffe, Verantwortung übernehme und das darfst du auch von deinem Hund erwarten.

Einen klaren Rahmen schaffen

Bevor du mit deinem Hund losläufst, ist es wichtig, dass du dir visuell ein Bild davon machst, wo dein Hund laufen soll. Meine Nala läuft rechts neben mir und ihre Schnauze darf (vorerst) nicht über meine ausgestreckte Fußspitze gehen. Das ist eine feste Linie, die nicht überschritten werden darf. Wird diese überschritten, so wird sofort körpersprachlich korrigiert. Wenn du mit der visuellen Linie Schwierigkeiten hast, so gib auf dein Bauchgefühl acht. Wichtig ist: Du musst genau wissen, wo dein Hund sich neben dir befinden soll, damit du auch schnell, fair und klar korrigieren kannst, wenn er diese überschreitet. Zu Beginn ist der feste Rahmen klein und nicht verhandelbar. Zeigt dein Hund immer mehr akzeptables Verhalten, d.h. folgt dir und orientiert sich an dir (er muss dich nicht anschauen), so kannst du diesen Rahmen immer mehr weiten. Dein Hund darf dann auch mal gerne vorlaufen oder auf der anderen Seite sein. Diese Freiheit sollte sich dein Hund jedoch durch akzeptables Verhalten erarbeiten, denn akzeptables Verhalten bringt Freiheit. So bleibt dein Hund auch auf Entfernung ansprech- und abrufbar.

Grenzen setzen und fair korrigieren

WICHTIG! Korrigiert wird das Überschreiten der imaginären Grenze, nicht das Ziehen an der Leine, d.h. sobald dein Hund die imaginäre Linie neben dir überschreitet, wird er sofort korrigiert. Die Korrektur erfolgt durch deine reine Körpersprache. Da du dir im Haus bereits einen „Namen“ gemacht hast, wird er sich nun auch draußen schneller an dir orientieren. Mit unserer Körpersprache können wir Druck erzeugen und sobald der Hund Akzeptanz zeigt, sich also zurücknimmt, nehmen wir den Druck wieder raus. Das ist ein Dialog. Kommunikation ganz ohne Gewalt, ohne Leinenruck und ohne körperlich zu werden. So kommunizieren wir fair und direkt mit unserem Hund, auf psychologischer und nicht zu unterschätzender Art und Weise. Nach der Korrektur „verbinden“ wir uns immer wieder mit unserem Hund, d.h. laden ihn zu uns ein und halten ihn einen Moment. Auch dies erzeugt etwas Druck und gleichzeitig die Lösung: “Halt dich an mich, ich zeige dir den Weg.“

Die eigene Körpersprache und Haltung

Deine innere Haltung ist unglaublich wichtig, denn dein Hund wird dir nur folgen und sich an dir orientieren, wenn du auch ausstrahlst, dass du gut führen kannst. Selbst wenn du innerlich noch etwas unsicher bist und vom außen nur so tust, als ob du den Plan und den Durchblick hast, wirst du nach mehrfachen Wiederholungen diese innere Haltung und diese Gedanken auch nach außen tragen können. Laufe daher aufgerichtet, zielstrebig und flott, dein Blick ist dabei nach vorne ausgerichtet. Auch deine Gedanken sind zielorientiert ausgerichtet, d.h. du denkst dir das, was du willst, nämlich: „Lauf neben mir“ statt „lauf nicht vor“.

Arbeits- und Freizeitmodus unterscheiden

Hunde lernen so wie wir Menschen kontextabhängig und dies können wir uns zu Nutze machen, d.h. soll dein Hund leinenführig in deinem vorgegebenen Rahmen laufen, so nutzt du ab sofort das Halsband als Führung. Es ist somit im Arbeitsmodus und jede Linienüberschreitung wird von dir penibel korrigiert. Ist dein Hund am Geschirr, so ist er im Freizeitmodus und darf deinen vorgegebenen Rahmen verlassen, ggf. sogar an der Leine ziehen. Wichtig ist hier einen sichtbaren Cut zu machen und mit Ruhe umzuleinen. Das Gleiche geht auch mit langer und kurzer Leine oder einfach eine Start- und Endposition.

Hier gibt es jedoch Besonderheiten, die je nach Hundetyp wichtig sind. Es gibt Hunde, denen tut dieser Umschwung nicht gut vor allem dann, wenn draußen intensives Verhalten wie extreme Unruhe, Stress oder Leinenpöbeln / Leinenaggression gezeigt wird. Bei solchen Hundetypen macht es Sinn keinen Umschwung einzubauen, sondern kurze intensive Arbeitsrunden mit dem Hund zu gehen. 15 Minuten penibles orientiertes Laufen ist viel anstrengender als 3 Stunden durch den Wald zu schnüffeln.

Und nicht vergessen: Der Spaziergang beginnt schon im Haus beim Anleinen. Ist die Freude bereits hier sehr groß, solltest du deinem Hund helfen, sich zu regulieren. Lieber 15 Minuten für den ruhigen Start investieren, als bereits gestresst draußen zu starten und nur einen Tropfen vom überlaufenden Fass entfernt zu sein.

Video: Hund zieht an der Leine – vorher

In diesem Video siehst du Nala vor dem Training. Sie zieht an der Leine, wechselt häufig die Seite und ist während des Spaziergangs deutlich angespannt. Nach dem ganzheitlichen Training (s. oben) sah alles schon viel viel besser aus. Es war dennoch Luft nach oben, sodass es noch an den Feinschliff ging.

Video: Leinenführigkeit nach dem Training

Im zweiten Video siehst du Nala nach dem Training (Feinschliff). Die Leine bleibt deutlich entspannter und sie orientiert sich stärker an meiner Bewegung. Ich habe sie von mir und meinen Entscheidungen überzeugt. Bevor uns jemand folgt, egal ob Hund oder Mensch, müssen wir uns erstmal beweisen.

Häufige Fragen zur Leinenführigkeit

Wie trainiere ich Leinenführigkeit ohne Leckerli?

Leinenführigkeit lässt sich auch ohne Futterbelohnung trainieren. Dabei steht nicht das Leckerli im Mittelpunkt, sondern die Orientierung des Hundes am Menschen. Entscheidend sind eine klare Kommunikation, verständliche Grenzen und ein Rahmen, in dem der Hund weiß, was von ihm erwartet wird.

Was kann ich tun, wenn mein Hund ständig an der Leine zieht?

Wenn dein Hund ständig zieht, solltest du nicht nur das Ziehen selbst korrigieren. Wichtig ist zunächst zu verstehen, warum dein Hund nach vorne möchte und wie eure Kommunikation im Alltag aussieht. Leinenführigkeit beginnt nicht erst beim Spaziergang, sondern kann bereits im häuslichen Bereich aufgebaut werden.

Kann man Leinenführigkeit auch bei einem erwachsenen Hund trainieren?

Ja. Auch ein erwachsener Hund kann lernen, sich an seinem Menschen zu orientieren und entspannt an der Leine zu laufen. Entscheidend ist nicht das Alter des Hundes, sondern dass die Kommunikation für ihn verständlich und konsequent ist und die neuen Regeln im Alltag verlässlich umgesetzt werden.

Muss mein Hund bei der Leinenführigkeit direkt neben mir laufen?

Nein. Leinenführigkeit bedeutet nicht automatisch, dass dein Hund ständig direkt neben deinem Bein laufen muss. Entscheidend ist vielmehr, dass die Leine locker bleibt und dein Hund sich an dir orientiert. Wie viel Abstand dabei sinnvoll ist, hängt von der jeweiligen Situation und vom Hund ab.

Was ist der Unterschied zwischen Leinenführigkeit und „Bei Fuß“?

Bei der Leinenführigkeit soll dein Hund entspannt an einer lockeren Leine mit dir unterwegs sein und sich an dir orientieren. „Bei Fuß“ ist dagegen eine deutlich engere Position, bei der der Hund unmittelbar neben dem Menschen läuft. Für einen entspannten Spaziergang ist ein dauerhaftes „Bei Fuß“ daher nicht notwendig.

Warum zieht mein Hund trotz Training immer wieder an der Leine?

Wenn ein Hund trotz Training immer wieder zieht, lohnt sich ein Blick auf das gesamte Verhalten und die Kommunikation zwischen Mensch und Hund. Häufig wird nur das Verhalten draußen trainiert, während die Orientierung im Alltag wenig berücksichtigt wird. Deshalb kann es sinnvoll sein, zunächst die Grundlagen im häuslichen Bereich zu betrachten und dort anzusetzen.

Du möchtest eine entspannte Leinenführigkeit mit deinem Hund?

Jedes Mensch-Hund-Team ist anders und genauso individuell ist auch die Unterstützung, die wirklich weiterhilft.

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Du möchtest individuelle Unterstützung?
Wenn du dir eine persönliche Einschätzung und einen individuell auf euch abgestimmten Weg wünschst, begleite ich dich und deinen Hund persönlich. Sende mir jetzt deine Anfrage.

Aktualisierung: September 2026

Madeleine Peters

Madeleine Peters

Ich bin Madeleine Peters, studierte Hundepsychologin aus Seevetal und begleite Mensch-Hund-Teams seit über 12 Jahren auf ihrem Weg zu einem besseren Verständnis, einer stärkeren Beziehung und mehr Leichtigkeit im Alltag.

Ich helfe dir dabei, deinen Hund und sein Verhalten zu verstehen, die Ursachen hinter seinen Herausforderungen zu erkennen und eure Mensch-Hund-Beziehung nachhaltig zu stärken. Dabei betrachte ich die Psyche, das Verhalten, den Körper und euren gemeinsamen Alltag als Ganzes.

Mein Ziel: weniger Angst, Stress und Konflikte und mehr Entspannung, Leichtigkeit und Freude im Zusammenleben mit deinem Hund.

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