Eine Trennung kann auch für einen Hund eine große Veränderung bedeuten. Wie gut er damit zurechtkommt, hängt unter anderem davon ab, wie eng seine Bindung zu seinen Menschen ist, wie viel sich in seinem Alltag verändert und wie viel Sicherheit und Verlässlichkeit ihm weiterhin gegeben werden können.
Eine Trennung ist in der Regel nie einfach, denn oft sind diese sehr emotional und meist auch nur durch eine Partei gewünscht. Besonders schwer wird es dann, wenn noch andere in diese Situation involviert sind: unsere Hunde. In solchen Phasen ein verlässlicher Partner für unseren Hund zu sein und die Führung beizubehalten, ist oft sehr schwer. Dennoch kannst du es schaffen, deinen Scheidungshund gut zu unterstützen.
In diesem Beitrag möchte ich dir zeigen, worauf du jetzt achten kannst und was du tun kannst, damit dein Hund die Veränderungen möglichst gut bewältigen kann.
Was bedeutet eine Trennung für einen Hund?
Eine Trennung kann für einen Hund eine große Veränderung bedeuten. Er verliert möglicherweise einen gewohnten Menschen, sein Zuhause und vieles, was ihm bisher Sicherheit gegeben hat. Zieht dein Hund beispielsweise mit dir aus dem gemeinsamen Zuhause aus, verändern sich plötzlich die Geräusche, Gerüche, Nachbarn und die gesamte Umgebung. Auch der gewohnte Tagesablauf kann sich verändern. Manche Hunde reagieren darauf mit Rückzug, Unruhe, stärkerer Anhänglichkeit oder plötzlich auftretenden Ängsten, andere zeigen kaum sichtbare Veränderungen. Jeder Hund geht anders mit solchen Veränderungen um. Eine wichtige Rolle spielt dabei seine Bezugsperson: Je mehr Sicherheit, Orientierung und Verlässlichkeit dein Hund trotz der neuen Situation bekommt, desto leichter kann es ihm fallen, sich an den veränderten Alltag anzupassen
Woran erkenne ich, dass mein Hund unter der Trennung leidet?
Woran du erkennst, dass dein Hund mit der Trennung Schwierigkeiten hat, kann ganz unterschiedlich aussehen:
- Unruhe oder vermehrtes Hecheln
- Veränderungen im Schlafverhalten
- stärkere Anhänglichkeit oder Rückzug
- verändertes Fressverhalten
- vermehrtes Bellen
- Unsicherheit oder Ängstlichkeit
- plötzlich auftretendes Problemverhalten
- Schwierigkeiten beim Alleinbleiben
Nicht jede Verhaltensänderung bedeutet automatisch, dass dein Hund wegen der Trennung leidet. Wichtig ist deshalb immer, das Verhalten im Zusammenhang mit der gesamten Situation zu betrachten und auch andere mögliche Ursachen auszuschließen.
Bei wem soll der Hund nach der Trennung leben?
Bei wem dein Hund nach der Trennung leben sollte, lässt sich nicht pauschal beantworten. Entscheidend ist nicht, wer den Hund „mehr haben möchte“, sondern bei wem er auch nach der Trennung möglichst viel Sicherheit, Ruhe und Verlässlichkeit bekommt. Stell dir dazu folgende Fragen:
- Wer war bisher die Hauptbezugsperson?
- Bei wem verbringt dein Hund künftig mehr Zeit?
- Wer kann seine Bedürfnisse zuverlässig erfüllen?
- Wo kann sein bisheriger Alltag möglichst stabil bleiben?
Auch die Wohnsituation, Arbeitszeiten, die Entfernung zwischen den Wohnorten und die Frage, wie gut dein Hund mit Ortswechseln zurechtkommt, spielen eine Rolle. Genauso wichtig ist, wie gut ihr als ehemalige Partner miteinander kommunizieren könnt. Nicht jede Verhaltensänderung bedeutet automatisch, dass dein Hund wegen der Trennung leidet. Betrachtet deshalb immer die individuelle Situation deines Hundes, bevor ihr entscheidet, wo er künftig leben soll.
Scheidungshund: 6 Tipps, die du für deinen Hund tun kannst
Auch unsere Hunde können an einer Trennung leiden, etwa weil die Bezugsperson leidet oder unsere Hunde die Situation nicht genau zuordnen können. Falls ihr euch gerade noch an die neue Situation gewöhnen müsst, gebe ich dir 6 Tipps, wie ihr die chaotische Zeit gut managed. Denn manchmal ist Schadensbegrenzung die beste Variante bis bessere Zeiten kommen.
1. Hundeverhalten beobachten
Falls ihr euch das „Sorgerecht“ teilt: Achte darauf, dass es deinem Hund dabei gut geht. Verhält sich dein Hund vor- oder nach dem „Halterwechsel“ auffällig, solltest du die Gründe erforschen und genauer hinschauen. Nicht jeder Hund zeigt Stress oder Unsicherheit auf die gleiche Weise. Manche Hunde werden besonders anhänglich, andere ziehen sich eher zurück. Auch Veränderungen im Alltag können sich zunächst ganz unauffällig zeigen.
Beobachte deshalb, wie sich dein Hund vor dem Wechsel, während des Wechsels und in den Stunden oder Tagen danach verhält. Gerade wenn dein Hund regelmäßig zwischen zwei Haushalten wechselt, kann es hilfreich sein, seine Reaktionen über einen längeren Zeitraum zu beobachten. Achte dabei unter anderem auf:
- Schlaf: Schläft dein Hund wie gewohnt oder wirkt er unruhiger und findet schlechter zur Ruhe?
- Fressen: Frisst er normal oder verändert sich sein Fressverhalten?
- Kotabsatz und Verdauung: Gibt es Veränderungen bei Häufigkeit, Konsistenz oder Regelmäßigkeit?
- Unruhe: Wirkt dein Hund nervös, läuft er vermehrt umher, hechelt er häufiger oder findet schlecht zur Ruhe?
- Bindungsverhalten: Wird er plötzlich besonders anhänglich oder zieht er sich eher zurück?
- Stresssignale: Zeigt dein Hund beispielsweise vermehrtes Lecken, Gähnen, Schütteln, Hecheln oder andere für ihn ungewöhnliche Verhaltensweisen?
Wichtig ist dabei immer, deinen Hund als Individuum zu betrachten. Ein einzelnes Verhalten bedeutet nicht automatisch, dass dein Hund unter der Trennung leidet. Entscheidend ist vielmehr, ob sich sein Verhalten verändert und ob diese Veränderungen immer wieder im Zusammenhang mit dem Wechsel oder der neuen Lebenssituation auftreten.
Wenn du Veränderungen bemerkst, solltest du deshalb nicht nur das Verhalten selbst betrachten, sondern auch überlegen, was unmittelbar davor passiert ist. So kannst du besser herausfinden, was deinem Hund möglicherweise Schwierigkeiten bereitet und an welcher Stelle du ihn unterstützen kannst.
2. Verantwortung übernehmen
Steh für deinen Hund ein. Geht es deinem Hund schlecht, so steh für ihn ein. Ja, das könnte unangenehm werden, jedoch ist dein Hund auf dich angewiesen. Er kann nicht reden und somit nicht für sich selbst sprechen, das musst du übernehmen.
Gerade in einer Trennung kann es schwierig sein, die Bedürfnisse deines Hundes gegenüber dem ehemaligen Partner anzusprechen und auch dann für ihn einzustehen, wenn es zu unterschiedlichen Vorstellungen kommt. Vielleicht möchtest du Streit vermeiden oder niemanden verletzen. Trotzdem sollte das Wohl deines Hundes nicht aus den Augen verloren werden.
Beobachtest du, dass dein Hund mit der neuen Situation Schwierigkeiten hat, nimm diese Signale ernst. Überlege gemeinsam mit deinem ehemaligen Partner, was für deinen Hund verändert werden kann und welche Lösung ihm mehr Sicherheit und Ruhe gibt.
Dabei geht es nicht darum, dass einer von euch „gewinnt“. Es geht darum, deinen Hund nicht zum Spielball der Trennung werden zu lassen und seine Bedürfnisse weiterhin ernst zu nehmen. Du kennst deinen Hund am besten und kannst seine Veränderungen beobachten und ansprechen.
3. Auf dich selbst achten
Achte während der Trennung auf dich. Geht es dir schlecht, mach in Bezug auf deinen Hund nur das Nötigste. Das ist in den meisten Fällen besser, als deinem Hund vorzuspielen, alles sei ok. Dein Hund kann deine Emotionen und Körperreaktionen schneller und oft auch besser wahrnehmen als du selbst. Im schlimmsten Fall kann dein Schauspiel sogar zum Vertrauensbruch führen.
Warum kann die emotionale Situation des Menschen für den Hund relevant sein?
Hunde lesen uns nicht nur, sie können sich auch von unseren Emotionen beeinflussen lassen. Gerade sehr sensible Hunde oder solche, die sich nur schwer von den Emotionen ihres Menschen abgrenzen können, können dadurch zusätzlich belastet werden.
Dein Hund nimmt dabei nicht nur deine Worte wahr. Er beobachtet deine Körpersprache, deine Bewegungen, deine Stimme und viele kleine Veränderungen in deinem Verhalten. Wenn du selbst sehr angespannt, traurig oder verunsichert bist, kann sich das auch auf deinen Hund auswirken.
Das bedeutet nicht, dass du deine Gefühle vor deinem Hund verstecken musst. Im Gegenteil: Du darfst traurig sein und dein Hund darf das auch mitbekommen. Wichtig ist vielmehr, dass du in dieser schwierigen Zeit nicht zusätzlich versuchst, deinem Hund etwas vorzuspielen oder dauerhaft eine Sicherheit auszustrahlen, die du selbst gerade nicht empfindest.
Gerade wenn dein Hund ohnehin sensibel auf Veränderungen reagiert, kann es deshalb helfen, ihm weiterhin möglichst viel Verlässlichkeit zu geben: einen geregelten Tagesablauf, ausreichend Ruhe und klare Strukturen. Und auch für dich gilt: Du musst in dieser Zeit nicht perfekt funktionieren. Es reicht, wenn du deinem Hund das gibst, was du gerade geben kannst.
4. Routinen erhalten
Einige Hunde (nicht alle!) brauchen Routinen, denn darüber verschaffen sie sich ein Stückweit Sicherheit. Füttere deinen Hund zur gleichen Uhrzeit, geh zur gleichen Uhrzeit Gassi oder nutze gleiche Runden. Eigene, ganz persönliche Rituale, z.B. abendliches Kraulen oder Kuscheln helfen euch, um euch sicher zu machen.
Welche Routinen sollten beibehalten werden?
Gerade nach einer Trennung können bekannte Routinen deinem Hund dabei helfen, sich in der neuen Situation zurechtzufinden. Dabei musst du nicht versuchen, den kompletten alten Tagesablauf beizubehalten. Viel wichtiger ist es, einzelne Dinge, die dein Hund kennt und die ihm gut tun, möglichst weiterzuführen.
Das können zum Beispiel sein:
- gemeinsames Kuscheln auf der Couch
- gewohnte Fütterungszeiten
- gewohnte Spaziergangzeiten, wenn es sich im neuen Alltag einrichten lässt
- bekannte Spazierwege, wenn diese weiterhin möglich sind
- kleine persönliche Rituale, die ihr bisher miteinander hattet
Es geht also nicht darum, dass in der neuen Lebenssituation alles genauso bleiben muss wie vorher. Das ist oft gar nicht möglich. Es geht vielmehr darum, deinem Hund in einer neuen Umgebung oder einem veränderten Alltag über bekannte Routinen ein Stück Sicherheit zu erhalten.
Gerade wenn sich für deinen Hund durch die Trennung bereits vieles verändert, können solche kleinen, vertrauten Abläufe eine wichtige Orientierung sein.
5. Sicherheit und Orientierung
Auch hier wieder ganz wichtig: Die Beziehungsarbeit schläft nie. Gerade in turbulenten und stressigen Lebensphasen braucht dein Hund klare Strukturen und verlässliche Regeln, die ihm Orientierung geben. Diese gibst du deinem Hund, indem du Grenzen setzt und diese körpersprachlich durchsetzt, sodass dein Hund diese freiwillig akzeptiert. Du brauchst in solchen Phasen nicht viele Regeln. Such dir die drei wichtigen aus und setze diese konsequent durch. Das Gute: Hat dein Hund diese akzeptiert, braucht ihr nicht mehr zu diskutieren.
Ist eure Beziehung noch im Gleichgewicht?
Eine Trennung kann nicht nur den Alltag, sondern auch die Beziehung zwischen dir und deinem Hund verändern. Vielleicht bist du selbst unsicherer, möchtest deinen Hund besonders schonen oder lässt Dinge durchgehen, die vorher klare Regeln waren. Das ist menschlich und gerade in einer emotionalen Phase völlig verständlich. Trotzdem kann es sinnvoll sein, einmal genauer hinzuschauen: Musst du in eurer Beziehung vielleicht etwas nachjustieren? Mach hier den kostenfreien Test:
6. Zeit geben
Du und dein Hund, ihr beide braucht Zeit. Je nachdem wie fordernd die Trennung ist, Zeit ist ein wichtiger Faktor um zu heilen. Räume dir und deinem Hund diese ein, sei liebevoll mit dir selbst.
Praxisbeispiel Ebbi: Wenn ein Hund nach der Trennung seine Lebensfreude verliert
Ebbi, eine Zwergschnauzerdame, geboren 2021, zeigte nach der Trennung und dem damit verbundenen Umzug deutliche Verhaltensauffälligkeiten. Sie schien ihre Lebensfreude verloren zu haben, zog sich immer mehr in ihre Box zurück und wollte diese auch nicht mehr verlassen.
Was hat sich für Ebbi verändert?
Vor der Trennung lebte Ebbi auf einem großen Grundstück mit einem sehr großen Garten, viel Freifläche und der Möglichkeit, sich frei zu bewegen. An das Grundstück war zudem ein Restaurant angeschlossen. Ebbi konnte dort die Gäste besuchen und hatte dadurch viele soziale Kontakte und Abwechslung in ihrem Alltag.
Nach der Trennung zog sie mit ihrer Halterin in eine kleine, ebenerdige Wohnung mit Garten. Vieles, was für Ebbi vorher selbstverständlich gewesen war, fiel plötzlich weg. Die Größe des Grundstücks, die Freifläche, der Freilauf und auch die Möglichkeit, die Restaurantgäste zu besuchen. Zusätzlich zeigte Ebbi plötzlich mehr Geräuschangst. Auch die Verbindung zu ihrer Halterin schien gestört zu sein. Das Vertrauen hatte gelitten.
Die Halterin wünschte sich vor allem ihre alte Verbindung zu Ebbi zurück. Sie wollte wieder mehr Kuschelzeit mit ihr verbringen und auch das Bürsten sollte wieder möglich sein. Doch selbst dabei entzog sich Ebbi immer mehr und flüchtete.
Was haben wir verändert?
Nach einer ausführlichen Anamnese stellten wir gemeinsam einen Plan auf. Dabei ging es nicht darum, Ebbi einfach dazu zu bringen, sich wieder „normal“ zu verhalten. Wir wollten die Ursachen für ihr Verhalten verstehen und genau dort ansetzen. Unser Fokus lag zunächst auf drei Dingen:
Beziehung stabilisieren:
Vertrauen und Sicherheit zwischen Ebbi und ihrer Halterin sollten wieder aufgebaut werden.
Kommunikation verändern:
Wir brachten kleine Veränderungen in den Alltag, die darauf beruhten, Regeln und Grenzen in der Hundesprache zu setzen und für Ebbi verständlicher zu kommunizieren.
Druck herausnehmen:
Das Bürsten wurde vorerst vermieden. Ebbi sollte nicht weiterhin die Erfahrung machen, dass sie flüchten muss, um sich einer Situation zu entziehen.
Gleichzeitig wurde aktive Kuschelzeit von der Halterin eingefordert. Nicht im Sinne von Zwang, sondern als bewusste gemeinsame Zeit, in der wieder Nähe und Verbindung entstehen konnte.
Nach zwei Wochen war Ebbi wie ausgewechselt
Schon nach zwei Wochen zeigte sich eine deutliche Veränderung. Ebbi wirkte wieder fröhlicher und begann, sich in ihrer neuen Umgebung zu öffnen. Sie lief wieder „wie die Alte“ durch die Wohnung, nahm Kontakt zu ihrer Halterin auf und suchte wieder mehr ihre Nähe.
Das Spannende daran: Wir haben nicht versucht, Ebbi das auffällige Verhalten abzutrainieren. Wir haben „nur“ die Ursachen bearbeitet und kleine Veränderungen im Alltag vorgenommen.
Dadurch konnte sich die Halterin das Vertrauen erarbeiten, das Ebbi gebraucht hat, um sich wieder auf ihre neue Situation einzulassen und sich anzupassen.
Für mich ist Ebbi ein schönes Beispiel dafür, wie sehr eine Trennung und die damit verbundenen Veränderungen einen Hund beeinflussen können und gleichzeitig dafür, wie viel sich verändern kann, wenn wir nicht nur das Verhalten sehen, sondern verstehen, was dahintersteckt.
Hund bei Trennung: Was ist rechtlich zu beachten?
Die Frage, wem ein Hund nach einer Trennung oder Scheidung rechtlich zugeordnet wird, ist von der Frage zu unterscheiden, bei wem dein Hund aus hundepsychologischer Sicht am besten aufgehoben ist. Ich kann dir dabei helfen, die Bedürfnisse und das Verhalten deines Hundes zu betrachten. Die rechtliche Frage, wem der Hund gehört oder bei wem er nach der Trennung bleiben darf, solltest du dagegen mit einer Fachperson für Familien- oder Tierrecht klären.
Häufige Fragen zur Trennung mit Hund
Was passiert mit meinem Hund, wenn wir uns trennen?
Eine Trennung bedeutet auch für deinen Hund eine Veränderung. Plötzlich können sich Tagesabläufe, Wohnort, Bezugspersonen oder die Zeiten verändern, in denen dein Hund bei den einzelnen Menschen ist. Wie gut dein Hund damit zurechtkommt, ist von Hund zu Hund unterschiedlich.
Wichtig ist deshalb, nicht nur danach zu schauen, was für euch Menschen am einfachsten ist. Schau auch darauf, wie dein Hund mit der neuen Situation zurechtkommt. Zeigt er Veränderungen in seinem Verhalten, wird er unruhiger, anhänglicher oder zieht er sich zurück, solltest du diese Signale ernst nehmen.
Wer sollte den Hund nach der Trennung behalten?
Eine pauschale Antwort darauf gibt es nicht. Entscheidend sollte neben den äußeren Umständen auch sein, bei wem dein Hund seinen Alltag möglichst stabil und sicher weiterführen kann. Dabei können verschiedene Fragen eine Rolle spielen: Wer war bisher die wichtigste Bezugsperson? Wer kann sich zuverlässig um den Hund kümmern? Wo kann sein gewohnter Tagesablauf möglichst gut erhalten bleiben? Und wie kommt dein Hund mit Veränderungen und einem möglichen Wechsel zwischen zwei Haushalten zurecht?
Auch wenn ihr euch als Menschen trennt, sollte die Entscheidung nicht zu einem Machtkampf werden. Dein Hund kann nicht entscheiden und ist darauf angewiesen, dass ihr seine Bedürfnisse mit berücksichtigt.
Kann ein Hund abwechselnd bei beiden Partnern leben?
Ja, grundsätzlich kann ein Hund auch bei beiden Partnern leben. Ob ein Wechsel zwischen zwei Haushalten für einen bestimmten Hund geeignet ist, hängt jedoch von seiner individuellen Situation ab.
Manche Hunde kommen mit Veränderungen gut zurecht, während andere durch häufige Wechsel schnell gestresst oder verunsichert werden. Auch die Entfernung zwischen den beiden Haushalten, die Häufigkeit der Wechsel und eure Fähigkeit, euch trotz der Trennung zuverlässig abzustimmen, spielen eine Rolle.
Deshalb würde ich ein Wechselmodell nicht grundsätzlich als gut oder schlecht für einen Hund ansehen. Entscheidend ist immer, wie dein Hund damit zurechtkommt.
Ist ein Wechselmodell für jeden Hund geeignet?
Nein. Ein Wechselmodell passt nicht automatisch zu jedem Hund. Gerade sensible Hunde, sehr unsichere Hunde oder Hunde, die Schwierigkeiten mit Veränderungen haben, können durch häufige Wechsel zusätzlich belastet werden. Andere Hunde können mit zwei Haushalten gut zurechtkommen.
Beobachte deshalb deinen Hund genau. Wie verhält er sich vor dem Wechsel? Wie währenddessen und wie danach? Kann er in beiden Haushalten zur Ruhe kommen, normal fressen und schlafen? Oder zeigt er immer wieder Stresssignale? Genau diese Beobachtungen können dir dabei helfen herauszufinden, ob die aktuelle Lösung für deinen Hund wirklich passend ist.
Woran erkenne ich, dass mein Hund unter der Trennung leidet?
Nicht jeder Hund zeigt Stress auf die gleiche Weise. Manche Hunde werden besonders anhänglich, andere ziehen sich zurück. Auch Unruhe, verändertes Fressverhalten, Schlafprobleme, vermehrtes Hecheln oder Schwierigkeiten beim Zur-Ruhe-Kommen können Hinweise darauf sein, dass dein Hund mit der neuen Situation Schwierigkeiten hat. Wichtig ist dabei immer der Vergleich zu deinem Hund. Ein Verhalten, das er schon immer gezeigt hat, ist anders zu bewerten als eine deutliche Veränderung nach der Trennung.
Wenn du das Gefühl hast, dass sich dein Hund seit der Trennung verändert hat, beobachte ihn deshalb über einen längeren Zeitraum und versuche herauszufinden, wann und in welchen Situationen die Veränderungen auftreten.
Soll mein Hund weiterhin Kontakt zum Ex-Partner haben?
Auch hier gibt es keine allgemeingültige Antwort. Für manche Hunde kann es sinnvoll sein, den Kontakt zu einer vertrauten Bezugsperson aufrechtzuerhalten. Für andere Hunde kann der Kontakt selbst oder die direkte Trennung nach dem Treffen, die Situation schwieriger machen. Entscheidend ist deshalb nicht, was ihr Menschen euch wünscht, sondern wie dein Hund mit dem Kontakt umgeht.
Wenn dein Hund deinen ehemaligen Partner sehr vermisst und sich über den Kontakt freut, kann das anders aussehen als bei einem Hund, der nach jedem Kontakt deutlich unruhiger wird. Beobachte deshalb auch hier die Reaktion deines Hundes und nicht nur die Situation selbst.
Wie kann ich meinem Hund nach der Trennung Sicherheit geben?
Sicherheit entsteht für einen Hund vor allem durch Verlässlichkeit und Orientierung. Gerade wenn sich durch die Trennung vieles verändert, können bekannte Abläufe und Rituale deinem Hund helfen. Das können zum Beispiel feste Fütterungszeiten, gewohnte Spaziergänge oder eure persönlichen Rituale sein. Dabei musst du nicht versuchen, den kompletten alten Tagesablauf aufrechtzuerhalten. Viel wichtiger ist, deinem Hund in dem neuen Alltag einige Dinge zu erhalten, die er kennt und mit Sicherheit verbindet. Klare Strukturen und verlässliche Regeln sind ebenfalls unerlässlich, um deinem Hund Sicherheit zu vermitteln.
Was mache ich, wenn mein Hund nach der Trennung plötzlich Verhaltensprobleme zeigt?
Wenn dein Hund nach der Trennung plötzlich ein Verhalten zeigt, das du vorher nicht von ihm kanntest, solltest du zunächst genauer hinschauen. Was hat sich verändert? Wann tritt das Verhalten auf? Passiert es vor oder nach einem Wechsel zwischen den Haushalten? Und welche weiteren Veränderungen kannst du beobachten? Nicht jedes neue Verhalten ist automatisch eine direkte Folge der Trennung. Trotzdem können Veränderungen im Alltag oder in der Beziehung zu seinen Menschen eine Rolle spielen.
Versuche deshalb nicht, das Verhalten einfach wegzutrainieren. Finde zunächst heraus, was dahinterstecken könnte. Gerade wenn dein Hund deutlich gestresst wirkt oder sich sein Verhalten über längere Zeit verändert, kann es sinnvoll sein, sich Unterstützung zu holen.
Zeigt dein Hund seit der Trennung plötzlich mehr Anhänglichkeit oder Unruhe? Dann kann dir auch mein Beitrag Hund ist anhänglich – Ursachen & Lösung dabei helfen, das Verhalten besser einzuordnen.
Manche Hunde reagieren auf Veränderungen mit Schwierigkeiten beim Alleinbleiben. Mehr dazu findest du in meinem Beitrag Trennungsangst beim Hund.
Wie lange braucht ein Hund, um sich an die neue Situation zu gewöhnen?
Dafür gibt es keine feste Zeitangabe. Jeder Hund geht anders mit Veränderungen um. Während sich manche Hunde relativ schnell an einen neuen Alltag gewöhnen, brauchen andere deutlich länger. Dabei spielen unter anderem die Persönlichkeit des Hundes, seine bisherige Lebenssituation, seine Bindung zu seinen Menschen und die Anzahl der Veränderungen eine Rolle. Versuche deshalb, deinen Hund nicht mit einem bestimmten Zeitraum unter Druck zu setzen. Beobachte lieber, ob er nach und nach wieder mehr Ruhe und Sicherheit findet.
Wann sollte ich professionelle Hilfe für meinen Hund suchen?
Wenn du merkst, dass dein Hund über einen längeren Zeitraum deutlich verändert ist, immer wieder starke Stresssignale zeigt oder du selbst nicht weißt, wie du die Situation für ihn verbessern kannst, ist es sinnvoll, dir Unterstützung zu holen. Auch wenn ihr als ehemalige Partner immer wieder darüber streitet, welche Lösung für euren Hund die richtige ist, kann ein neutraler Blick von außen helfen. Du musst dabei nicht erst warten, bis dein Hund ein großes Problemverhalten entwickelt. Je früher du Veränderungen ernst nimmst und genauer hinschaust, desto besser kannst du deinen Hund unterstützen.
Madeleine Peters zum Thema Scheidungshunde im ZEIT Magazin
Vor einigen Wochen schrieb mich die Journalistin Desirée Oostland vom ZEIT Magazin an, die über das Thema „Scheidungshunde“ schrieb. Sie bat mich, zwei sehr interessante Fälle mit ihr zu durchleuchten und meine Einschätzungen dazu zu teilen.
Es hat mir sehr viel Spaß gemacht, sie dabei zu unterstützen und meine Erfahrung als Hundepsychologin einzubringen – auch wenn die Fälle im Nachhinein leider nicht so offen dargestellt wurden, wie ich es mir gewünscht hätte.
Wenn du selbst gerade vor der Frage stehst, wie es nach einer Trennung mit deinem Hund weitergehen kann, findest du in dem Artikel interessante Einblicke in das Thema.
Jeder von uns macht mal schwierige Lebensphasen durch, in denen wir unseren Hunden wenig Halt und Sicherheit geben können. Wir sind in solchen Phasen sehr mit uns selbst beschäftigt. Auch solche Phasen gehen irgendwann vorbei. Wichtig ist nur, diese Phasen so gut es geht zu managen.
Du befindest dich gerade in einer Trennung und deinem Hund geht es dabei nicht gut? Ich helfe dir und deinem Hund, diese Zeit gut zu überstehen und euren Alltag gemeinsam zu managen. Sende mir jetzt deine Anfrage!
Aktualisiert: September 2026



